Festrede " 60 Jahre MUSIKVEREIN LUNKHOFEN "
3. 5. und 6. September 1992
Gemeindepräsident Hans Hagenbuch, O`Lunkhofen
O-Ton

Bei den Vorbereitungen zu dieser Rede kamen mir die zwei Männer im Wirtshaus im Säuliamt vor paar Wochen in den Sinn, als ich ihrem Gespräch mit einem Ohr zuhörte.
Der eine sagte, der Musikverein Lunkhofen wird 60 Jahre alt, das gibt ein Fest. Der andere meinte, aber 60 Jahre Vereinsgeschichte feiert man doch nicht. Ein 75- oder 100-Jahrjubiläum für Vereine feiert man doch üblich. Und überhaupt, ein solches Fest ist ein Chrampf. Da braucht es Leute die arbeiten. In der heutigen Zeit kannst du das geradewegs vergessen.
Sie haben gesehen, dass der Musikverein trotzdem ein Fest durchführt. Das heisst, dass manche Leute viel wissen, aber nicht immer Recht haben.
Es erfüllt mich mit Freude und Zufriedenheit, ja sogar mit Stolz, dass unsere Musikantinnen
und Musikanten ein solches Fest auf die Beine stellten. Mitbeteiligt haben sich alle Frauen und Männer unserer Dorfvereine, welche bereits bei den Vorbereitungen mitgeholfen haben. Alle jene werden auch heute und in den nächsten Tagen, bis alles aufgeräumt ist, mitzupacken. So etwas, sagt man, ist Musik.
Der 60. Geburtstag fällt gerade in die richtige Zeit. Ich erzähle ja nichts Neues, wenn ich sage, dass in der heutigen Zeit die Leute zunehmend egoistischer werden. Dazu kommt noch, dass sich das wirtschaftliche Umfeld die letzten 2 Jahre verändert hat. Wenn man sich so umhört so könnte man meinen, es ginge mit uns nur noch abwärts. Meine Damen und Herren, das Natürlichste auf der Welt ist doch, wenn es aufwärts geht, es folglich wieder abwärts gehen muss. Ich kann es vielfach nicht verstehen, wenn manchmal in diesen Belangen so viel Geschrei gemacht wird. Gerade wir Schweizer, welche soviele Berge haben sollten wissen, dass es nach dem Besteigen eines Berges, es folglich wieder runtergehen muss. Beim Abstieg kann man sich wieder von den Strapazen erholen. Man geniesst die Aussicht, hält zwischendurch an, und  kann dabei vieleicht nachdenken. Das würde uns allen guttun. Überlegen, was wir überhaupt wollen, wo es weitergehen soll. Und vor allem sich vor der Zukunft nicht fürchten.
Schauen Sie, am 6. Dezember ist für unser Land eine wichtige Abstimmung (Beitritt zum EWR). Denen, welche dafür sind, wird Angst gemacht. Denen die dagegen sind, passiert das gleiche. Dabei ist allen klar, dass Angst haben etwas vom Dümsten ist, was dem  Menschen passieren kann. Jetzt können wir uns fragen, warum haben wir Angst, oder warum kann man uns Angst machen? Ist es darum, weil wir in den letzten Jahren und Jahrzehnten eine einseitige Entwicklung hinter uns gebracht haben? Weil wir in erster Linie vor allem nach dem Portemonnaie schauten? Dabei ist das Herz, das Gefühl und das Gemüt eindeutig zu kurz gekommen. Man hat es fast verkümmern lassen. Es ist falsch zu glauben, dem Portemonnaie grosses Interesse schenken zu müssen, währenddessen Gemüt und Frohsinn vernachlässigt werden könnten. Auch dem gehört grosse Beachtung und Pflege.
Unsere Musikantinnen und Musikanten wissen dies schon lange. Sie tun etwas für das Gemüt, für das Unsrige und für das Eigene. Ganz nach dem Motto: die grösste Freude ist diejenige, die man andern tut. Ich habe nichts gegen dieTechnik, die Elektronik in der Musik. Sie gehen sicher mit mir einig und können bestätigen, dass vieles, was man gemeinhin Musik nennt, nicht mehr viel mit Musik zu tun hat. Oder anders und böse ausgedrückt könnte man sagen, wenn man denen den Stecker auszieht, geht gar nichts mehr.
In unserem Musikverein ist dies nicht so. Ich jedenfalls freue mich jedesmal, wenn ich sie spielen höre. Es ist schön, ja sogar wohltuend, wenn unsere Musikantinnen und Musikanten aufspielen. Wenn sie durch das Dorf marschieren, werde ich fast wieder wie ein Kind, und würde am liebsten hinterher rennen.
So Tage wie heute sind selten, und sollten auch selten bleiben. Sie wirken, so finde ich jedenfalls, wie Balsam auf unser zum Teil ausgetrocknetes Gemüt. An so einem Tag kann man wieder miteinander reden und festen. Dadurch kommt man sich näher.
Heute sagte der Pfarrer im Gottesdienst, er sage jetzt nicht "gehet hin im Frieden" sondern, bleibet da, und festet. Ich kann mich dem absolut anschliessen. Es ist mir völlig bewusst, dass die Zeiten längst vorbei sind, als der Pfarrer und der Gemeindeammann im Dorf das Sagen hatten. Aber heute, meine ich, machen wir eine Ausnahme.
Aus diesen Gründen glaube ich, dass der 60. Geburtstag des Musikverein Lunkhofen in die richtige Zeit gefallen ist und die Musikantinnen und Musikanten recht hatten, ein solches Fest auf die Beine zu stellen. Es zeigt uns klar, dass nicht alles mit dem Portemonnaie, jedoch vieles mit dem Willen beantwortet werden kann. Ein Mensch mit einem ausge-glichenen, Gemüt und starkem Willen, welche er auch pflegt, muss keine Angst vor der Zukunft haben. Damit ist er in der Lage, die anstehenden Probleme zu lösen und zu bewältigen.
Für die wichtige Funktion, welche der Musikverein Lunkhofen mit dem heutigen Fest, aber auch mit seinen unzähligen guten Taten während des Jahres für uns tut, sage ich ein herzliches Dankeschön. Die Gemeindefahnen der politischen Gemeinden, welche ins Einzugsgebiet des Musikverein Lunkhofen gehören, sind hier auf der Bühne als Dekoration aufgehängt. Die Gemeinderäte der Gemeinden Islisberg, Arni. Ober- und Unterlunkhofen und Rottenschwil- Werd haben sich überlegt, was sie dem Musikverein Lunkhofen zu diesem Fest schenken könnten. Es sind die kleinen Weinglässer mit dem schönen Gemeindewappen und der Inschrift "Musikverein Lunkhofen", welche Sie am Weinbrunnen kaufen können. Es ist ein Geschenk, welches nicht einfach im Kasten verstauben wird. Damit gibt der Verein ein Geschenk dieser Gemeinden direkt an die Bevölkerung weiter. Ich hoffe sehr, dass Sie dadurch ein weiteres, schönes Andenken mit nach Hause nehmen können.
In diesem Sinne gratuliere ich dem Musikvererin Lunkhofen im Namen der politischen  Gemeinden zu seinem 60.-jährigen Jubiläum recht herzlich, und wünsche ihm für die Zukunft alles Gute.