Bei den Vorbereitungen zu dieser Rede kamen
mir die zwei Männer im Wirtshaus im Säuliamt vor paar Wochen
in den Sinn, als ich ihrem Gespräch mit einem Ohr zuhörte.
Der eine sagte, der Musikverein Lunkhofen
wird 60 Jahre alt, das gibt ein Fest. Der andere meinte, aber 60 Jahre
Vereinsgeschichte feiert man doch nicht. Ein 75- oder 100-Jahrjubiläum
für Vereine feiert man doch üblich. Und überhaupt, ein solches
Fest ist ein Chrampf. Da braucht es Leute die arbeiten. In der heutigen
Zeit kannst du das geradewegs vergessen.
Sie haben gesehen, dass der Musikverein
trotzdem ein Fest durchführt. Das heisst, dass manche Leute viel wissen,
aber nicht immer Recht haben.
Es erfüllt mich mit Freude und Zufriedenheit,
ja sogar mit Stolz, dass unsere Musikantinnen
und Musikanten ein solches Fest auf die
Beine stellten. Mitbeteiligt haben sich alle Frauen und Männer unserer
Dorfvereine, welche bereits bei den Vorbereitungen mitgeholfen haben. Alle
jene werden auch heute und in den nächsten Tagen, bis alles aufgeräumt
ist, mitzupacken. So etwas, sagt man, ist Musik.
Der 60. Geburtstag fällt gerade in
die richtige Zeit. Ich erzähle ja nichts Neues, wenn ich sage, dass
in der heutigen Zeit die Leute zunehmend egoistischer werden. Dazu kommt
noch, dass sich das wirtschaftliche Umfeld die letzten 2 Jahre verändert
hat. Wenn man sich so umhört so könnte man meinen, es ginge mit
uns nur noch abwärts. Meine Damen und Herren, das Natürlichste
auf der Welt ist doch, wenn es aufwärts geht, es folglich wieder abwärts
gehen muss. Ich kann es vielfach nicht verstehen, wenn manchmal in diesen
Belangen so viel Geschrei gemacht wird. Gerade wir Schweizer, welche soviele
Berge haben sollten wissen, dass es nach dem Besteigen eines Berges, es
folglich wieder runtergehen muss. Beim Abstieg kann man sich wieder von
den Strapazen erholen. Man geniesst die Aussicht, hält zwischendurch
an, und kann dabei vieleicht nachdenken. Das würde uns allen
guttun. Überlegen, was wir überhaupt wollen, wo es weitergehen
soll. Und vor allem sich vor der Zukunft nicht fürchten.
Schauen Sie, am 6. Dezember ist für
unser Land eine wichtige Abstimmung (Beitritt zum EWR). Denen, welche dafür
sind, wird Angst gemacht. Denen die dagegen sind, passiert das gleiche.
Dabei ist allen klar, dass Angst haben etwas vom Dümsten ist, was
dem Menschen passieren kann. Jetzt können wir uns fragen, warum
haben wir Angst, oder warum kann man uns Angst machen? Ist es darum, weil
wir in den letzten Jahren und Jahrzehnten eine einseitige Entwicklung hinter
uns gebracht haben? Weil wir in erster Linie vor allem nach dem Portemonnaie
schauten? Dabei ist das Herz, das Gefühl und das Gemüt eindeutig
zu kurz gekommen. Man hat es fast verkümmern lassen. Es ist falsch
zu glauben, dem Portemonnaie grosses Interesse schenken zu müssen,
währenddessen Gemüt und Frohsinn vernachlässigt werden könnten.
Auch dem gehört grosse Beachtung und Pflege.
Unsere Musikantinnen und Musikanten wissen
dies schon lange. Sie tun etwas für das Gemüt, für das Unsrige
und für das Eigene. Ganz nach dem Motto: die grösste Freude ist
diejenige, die man andern tut. Ich habe nichts gegen dieTechnik, die Elektronik
in der Musik. Sie gehen sicher mit mir einig und können bestätigen,
dass vieles, was man gemeinhin Musik nennt, nicht mehr viel mit Musik zu
tun hat. Oder anders und böse ausgedrückt könnte man sagen,
wenn man denen den Stecker auszieht, geht gar nichts mehr.
In unserem Musikverein ist dies nicht
so. Ich jedenfalls freue mich jedesmal, wenn ich sie spielen höre.
Es ist schön, ja sogar wohltuend, wenn unsere Musikantinnen und Musikanten
aufspielen. Wenn sie durch das Dorf marschieren, werde ich fast wieder
wie ein Kind, und würde am liebsten hinterher rennen.
So Tage wie heute sind selten, und sollten
auch selten bleiben. Sie wirken, so finde ich jedenfalls, wie Balsam auf
unser zum Teil ausgetrocknetes Gemüt. An so einem Tag kann man wieder
miteinander reden und festen. Dadurch kommt man sich näher.
Heute sagte der Pfarrer im Gottesdienst,
er sage jetzt nicht "gehet hin im Frieden" sondern, bleibet da, und festet.
Ich kann mich dem absolut anschliessen. Es ist mir völlig bewusst,
dass die Zeiten längst vorbei sind, als der Pfarrer und der Gemeindeammann
im Dorf das Sagen hatten. Aber heute, meine ich, machen wir eine Ausnahme.
Aus diesen Gründen glaube ich, dass
der 60. Geburtstag des Musikverein Lunkhofen in die richtige Zeit gefallen
ist und die Musikantinnen und Musikanten recht hatten, ein solches Fest
auf die Beine zu stellen. Es zeigt uns klar, dass nicht alles mit dem Portemonnaie,
jedoch vieles mit dem Willen beantwortet werden kann. Ein Mensch mit einem
ausge-glichenen, Gemüt und starkem Willen, welche er auch pflegt,
muss keine Angst vor der Zukunft haben. Damit ist er in der Lage, die anstehenden
Probleme zu lösen und zu bewältigen.
Für die wichtige Funktion, welche
der Musikverein Lunkhofen mit dem heutigen Fest, aber auch mit seinen unzähligen
guten Taten während des Jahres für uns tut, sage ich ein herzliches
Dankeschön. Die Gemeindefahnen der politischen Gemeinden, welche ins
Einzugsgebiet des Musikverein Lunkhofen gehören, sind hier auf der
Bühne als Dekoration aufgehängt. Die Gemeinderäte der Gemeinden
Islisberg, Arni. Ober- und Unterlunkhofen und Rottenschwil- Werd haben
sich überlegt, was sie dem Musikverein Lunkhofen zu diesem Fest schenken
könnten. Es sind die kleinen Weinglässer mit dem schönen
Gemeindewappen und der Inschrift "Musikverein Lunkhofen", welche Sie am
Weinbrunnen kaufen können. Es ist ein Geschenk, welches nicht einfach
im Kasten verstauben wird. Damit gibt der Verein ein Geschenk dieser Gemeinden
direkt an die Bevölkerung weiter. Ich hoffe sehr, dass Sie dadurch
ein weiteres, schönes Andenken mit nach Hause nehmen können.
In diesem Sinne gratuliere ich dem Musikvererin
Lunkhofen im Namen der politischen Gemeinden zu seinem 60.-jährigen
Jubiläum recht herzlich, und wünsche ihm für die Zukunft
alles Gute.