Vor
fast 200 Jahren gab es in Oberlunkhofen bereits eine Musik. Diese war
jedoch ausschliesslich für kirchliche Anlässe vorgesehen. Sie
existierte bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach den Statuten im
Pfarrarchiv bestand sie aus sechzehn Mitgliedern; acht Sänger,
acht Musiker. Gespielt wurde mit vier Klarinetten, zwei
Waldhörner, ein Fagott und einer Trompete. Recherchen haben
ergeben, dass eine erste Blech-Musik in Lunkhofen vor 123 Jahren
erwähnt wurde. In der Schulchronik vom Jahre 1879 gibt es einen
Vermerk, dass die Schulkinder zusammen mit dieser Musik eine
musikalisch- theatralische Unterhaltung gaben. Am Schluss dieser Notiz
heisst es, diese Aufführung habe allgemein befriedigt, aber die
Kasse sei nicht zufrieden gewesen. Weitere Angaben oder gar Statuten
über diese Formation sind unauffindbar.
Eines weiss man sicher, dass es anfangs letztes Jahrhundert in
Oberlunkhofen keine Blechmusik gab. Diese musste erst neu
gegründet werden. Schon Ende der 20-iger Jahre redete man davon.
Aber erst in den 30-iger Jahren galt es ernst.
Am 18. September 1932 sind eine begrenzte Anzahl Leute von
Oberlunkhofen und Rottenschwil zusammengekommen und beschlossen einen
Musikverein zu gründen, eben den Musikverein Lunkhofen. Der
Initiant war Bernhard Küttel. Niemand ausser dieses
Gründermitgliedes hatten musikalische Vorkenntnisse. Folgende
Gründungsmitglieder sind in den ersten Eintragungen der
Vereinsgeschichte aufgeführt: Bernhard Küttel, Bernhard
Hagenbuch, Traugott Fröhli, Eduard Huber, Xaver Eichholzer,
Bernhard Bächer, Hans Eichholzer, Josef Beschi, Josef Küng,
Josef Stutz sen. und Xaver Füglistaller.
Bernhard Küttel übernahm die Leitung dieses jungen Vereins.
Er war der erste Präsident und zugleich Dirigent. Von der Firma
Seeholzer in Affoltern konnten sie die alten Instrumente zu Fr. 2.20 /
Monat mieten. Die Miete und das Notenmaterial mussten die Mitglieder
aus dem eigenen Sack bezahlen. Das Kursgeld betrug Fr. 5.-. Der
Passivmitgliederbeitrag wurde auf Fr. 3.- festgelegt, und konnte in 2
Raten bezahlt werden. Am Anfang getrauten sich die Vereinsmitglieder
nicht im Dorf zu proben, weshalb sie im Wald ihre ersten Proben
abhielten! Anlässlich der ersten Vorstandsitzung wurde
beschlossen, diejenigen Mitglieder mit Fr. 5.- zu bestrafen, welche
nach 2200 Uhr mit musizieren die Nachtruhe störten. Das
verstorbene Mitglied Bernhard Hagenbuch wusste zu berichten, dass er
als 17-jähriger Bursche der Jüngste gewesen sei, und sie ihn
deswegen nicht an die Feste mitnahmen. Da er noch zu jung war,
schickten sie ihn nach Hause.
Anno 1933 führten sie auf Initiative von Bernhard Küttel eine
Sammlung durch, damit sie achtzehn neue Instrumente kaufen konnten. Die
Bevölkerung hatte noch keine grosse Hoffnung, dass aus diesem
Verein etwas werde. Darum brachten sie damals auch nicht genügend
Geld zusammen. Sie mussten noch ein paar hundert Franken Schulden
machen. Deshalb hatten sie auch während den darauffolgenden Jahren
grössere finanzielle Schwierigkeiten.
Im Jahre 1933 spielte die neue Musik erstmals an einem Weissen Sonntag,
an Prozessionen und zum ersten Mal an der August-Feier. Nicht alle
Mitglieder hatten Ausdauer und Geduld. Ein paar traten aus, neue kamen
hinzu. Eine Zeit lang glich der Verein einem Taubenschlag. Als sie 1934
miteinander acht neue Mitglieder bekamen, fing es an zu bessern. Sie
hatten auch häufigen Dirigentenwechsel. Man kann schon verstehen,
dass es für einen Dirigenten wohl kein "Schleck" war, mit diesen
Anfängern zu kutschieren. Die Entlöhnung war auch nicht gross
bei den mageren Finanzen. Dem ersten Dirigenten konnten sie
überhaupt kein Geld geben. Dafür mussten sie mit Kartoffeln
zufrieden sein, welche die Mitglieder im Herbst lieferten.
Als Bernhard Küttel 1934 wegzog, übernahm Herr Edwin Giger
aus Affoltern die Leitung. Ein Jahr später Hermann Alter von
Bremgarten. Der Probenbesuch war durchwegs schlecht. Es waren eben die
Jahre, wo es an der Anzahl Mitgliedern schlecht bestellt war.
1936 hatte der Musikverein Glück, dass sie in der Person von Herr
Lorenz Monn von Mettmenstetten einen tüchtigen Dirigenten fanden.
Er brachte die junge Musik vorwärts, sodass sie bereits im selben
Jahr erstmals an einem Kreisspieltag in Mettmenstetten auftreten
konnten. Mit dem Erfolg wuchs auch die Sympathie bei der
Bevölkerung. Die Leute unterstützten den Verein finanziell
besser. Die Gemeinde und Kirchgemeinde gaben jährlich finanzielle
Unterstützung. Mit dem Zustupf der Passiv- und Ehrenmitgliedern
konnten sie den Dirigenten auch besolden. Nach einer grösseren
Sammlung in den Jahren 1938/39 schafften sie sich 1939 zum Preise von
Fr. 2'500,- die erste Uniform, einen dunklen Einreiher mit Stehkragen,
der Militäruniform abgeguckt, mit einer Mütze in derselben
Farbe mit gelacktem, schwarzen Schild, bei der Firma Rey+Christen,
Tailleurs in Biel an.
Als der zweite Weltkrieg ausbrach, musste der Verein, wie andere
Vereine auch, seine Tätigkeit für längere Zeit
einstellen.
Von 1942 bis 1946 dirigierte Herr Robert Wetli von Oberwil den Verein.
Es waren die Kriegsjahre, in denen der Verein nicht viel unternehmen
konnte. Der Eintritt für das Jahreskonzert mit Theater vom Neujahr
und Wochenende danach im Gasthof Hecht-Saal Rottenschwil und
Oberlunkhofen kostete für die Besucher Fr. 1.80. Als Herr Wetli
nach fünf Jahren sein Amt aufgab, sprang Herr Monn in
verdankenswerter Weise in die Lücke, bis der Musikverein 1949
einen ganz jungen Dirigenten fand, Herr Hans Rietiker von Neftenbach.
Mit ihm errang der Verein 1951 einen Silber-Lorbeer am Kant. Musikfest
in Bremgarten. Noch im gleichen Jahr schaffte sich die Musik das
heutige schöne Vereinsbanner für Fr. 1800.- an. Lieferant war
die Firma Fraefel St. Gallen. Am Sonntag, 22. Juli 1951 wurde die Fahne
anlässlich eines grossen und beeindruckenden Dorffestes
eingeweiht. Nachdem am Vorabend ein grosser Unterhaltungsabend mit
Produktionen der Ortsvereine, dem Turnverein Arni und gem. Programm
Darbietungen mit "komischen Einlagen" über die Bühne gingen,
wurde die Bevölkerung des Kelleramtes am Sonntagmorgen um 0500 Uhr
mit Böllerschüssen auf das festliche Ereignis aufmerksam
gemacht. In der Pfarrkirche Lunkhofen wurde das schöne Banner in
einer eindrucksvollen Feier geweiht. Die Musikgesellschaften und
Vereine Zufikon, Jonen, Waltenschwil und Ottenbach umrahmten mit ihrem
Spiel den Anlass im Festzelt, welches zwischen der Zugerstrasse und dem
Schulhaus lag. Zum Ausklang gab es eine eindrucksvolle
Abendunterhaltung unter der Mitwirkung der Tanz-Stimmungs- und
Unterhaltungskappelle "Schönberg" Tirol, welche mit Ehrendamen am
Festanlass vertreten waren.
1956 übergab der erste Fähnrich Beat Hagenbuch sein Amt Josef
Eichholzer-Elsener, welchem diese Funktion sehr am Herzen lag. Seit
1975 ist Sepp Eichholzer-Heinzer stolzer Fähnrich des Vereins.
1952 unternahm die Musik als Gegenbesuch seine erste Vereinsreise nach
Schönberg im Tirol. Fr. 600.- wurden dazu von der Vereinskasse
bezahlt. 1953 wurden die musikalischen Anstrengungen mit einem
Gold-Lorbeer am Kantonalen Musikfest in Zofingen belohnt.
Anfangs 1956 übernahm Herr Alfred Glarner von Bremgarten das
Korps. Alfred Glarner hat nicht nur dirigiert, er komponierte auch
unter dem Namen "Fridolin". Er hatte mit der Lunkhofer Musik Erfolg.
Die Mitgliederzahl betrug dazumal zwanzig Bläser. 1957 brachten
sie vom Eidg. Musikfest in Zürich einen Goldlorbeer nach Hause.
1959, am 11./12. Juli erhielt der Verein seine zweite, diesmal eine
historische Uniform in der Farbe grün, einen Zweihreiher mit
Stehkragen, geliefert von der "Schweizerischen Uniformenfabrik AG in
Zürich. Im selben Jahr wurde das Mitglied, der Freund und
Förderer des Vereins, Bernhard Hagenbuch für seine grossen
Verdienste u.a. als Präsident während 20 Jahren als
Ehrenpräsident geehrt.
Im Jahre1963 liess sich der Verein am Kantonalen Musikfest in Windisch jurieren, wobei der grosse Erfolg ausblieb.
1965 übernahm Herr Werner Koch von Muri die musikalische Leitung.
Er hielt es bis zum heutigen Tag während 14 Jahren als Dirigent am
Längsten aus. In dieser Zeit ist einiges im Verein gelaufen. Die
Mitgliederzahl stieg von 30 bis teilweise über 50 an. Mit ihm nahm
der Verein mit Erfolg an drei Eidgenössischen Musikfesten teil.
1966 in Aarau, 1971 in Luzern und 1976 in Biel. 1968 bekamen das Korps
neue silberne Instrumente.
1975 feierte das Korps mit der Bevölkerung während drei Tagen
die dritte Uniform, diesmal mit dunkelblauer Hose, rotem Weston und Hut
mit einem Federbusch, geschneidert von der Fa. Schuler Uniformen und
Modehaus in Rothenthurm.
1977 wagte sich das Korps zu Aufnahmen im Radio- Studio Zürich.
Von 1979 bis zum heutigen Tag stand der Verein unter der folgenden
Stabsführung: 1979-1983 Alois Brandenberg Rudolfstetten, 1983-1989
Orlando De Martin, Würenlos, 1989-1993 Urs Dellsperger Bremgarten,
1993-1997 Marcel Kleiner Turgi, 1997-2003 Urban Christen Oberlunkhofen,
und ab 2003 Sigi Donner, Zürich
Von den zwölf bis heute verdienten Präsidenten soll Leo
Hagenbuch Oberlunkhofen, Präsident von 1968-1980 und Wirtechef
während zwanzig Jahren für seine grossen Verdienste speziell
erwähnt werden. Ihm hat der Verein vieles zu verdanken.
1982, anlässlich des 50. Vereinsjubiläum, wurde die eigens
dazu geschriebene Komposition "Kleine Festmusik" vom Professor Paul
Huber, Bürger von Unterlunkhofen, uraufgeführt.
1989 gründete die heutige Vizedirektion Markus Eichholzer eine
Kleinformation des Korps, eine Buremusik, welcher achtzehn Mitglieder
angehörten.
Bis zur Schliessung des historischen Gasthof Rössli in
Oberlunkhofen im Jahre 1992, war die Gaststätte zugleich
Vereinslokal und Fahnendepot des Musikverein Lunkhofen. Ab September
1993 fand das Banner im Restaurant Central ein neues Zuhause.
1996 nahm der Verein letztmals am Eidg. Musikfest in Interlaken teil.
Grosse Freude bereitete den Musikern der erste Auftritt am
Jahreskonzert 1998. Erstmals durfte der Verein in der neuen Turnhalle
im vollbesetzten Haus ihr Jahreskonzert präsentieren.
Im September 2001 bedankte sich der Verein bei der Bevölkerung
anlässlich eines Musik-Event INTRO2002 für die grosse
Unterstützung im Vorfeld des grossen musikalischen Ereignisses vom
1. Aarg. Kant. Musiktag im Sommer 2002. Gleichzeitig wurde in einem
würdigen Rahmen mit befreundeten Vereinen und Delegationen der 50.
Geburtstag der Vereinsfahne gefeiert.
Dank dem erneut grossen Wohlwollen der Bevölkerung des Kelleramtes
war es für den 45 Mitglieder zählenden Verein möglich,
mit den grosszügigen Spenden anlässlich des 1. Kant.
Musiktages in Oberlunkhofen vom 31. Mai, 1. und 2. Juni 2002 ihre 4.
Uniform zu präsentieren. Gleichzeitig wurde dieser Anlass mit der
70- Jahrfeier des Vereins verbunden. Bei schönstem
Wetter und idealsten Voraussetzungen wetteiferten 34 Vereine um
ihre Punktzahlen. Während 3 Tagen stand das ganze Dorf und ihre
Vereine im Festfieber. Oberlunkhofen mit seinem Musikverein Lunkhofen
erlebte dabei den grössten Anlass, den es in der Dorf- und
Vereinsgeschichte jemals gab.
Kaum 5 Jahre später erlebte Oberlunkhofen mit seinen
Kellerämtergemeinden am 23./24. Juni 2007 erneut ein
erinnerungswürdiges Musikfest, um sein 75. Vereinsjubiläum,
verbunden mit der Totalrestauration der 1. Fahne, zu feiern.
Gastverein war dabei die 50-köpfige Musikkapelle Schönberg im
Tirol/ Stubaital, welche erstmals anlässlich der Fahnenweihe
als Blaskapelle in Kleinformation bei der Fahnenweihe 1951 in
Lunkhofen zu Gast war. In einer gemeinsamen musikalisch-theatralischen
Revue-Show vom Samstagabend wurde in 6 Bildern eine 75-jährige
Vereinsgeschichte präsentiert, welche einmalig von den
Festbesuchern aufgenommen wurde. Am Sonntagmorgen feierte der Verein
sein Jubiläum mit einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche, um
anschliessend in einem farbenfrohen Festumzug auf das Festgelände
des Schulhausareal zu ziehen. In einem Festakt während des
Jubiläums-Mittagessens wurde erstmals die total restaurierte
Vereinsfahne präsentiert.
Verfasser dieser Vereinschronik : Sepp Eichholzer-Heinzer, Fähnrich