Geschichte des Musikvereins Lunkhofen

Musikverein Lunkhofen kurz nach der Gründung 1932 (40k)Vor fast 200 Jahren gab es in Oberlunkhofen bereits eine Musik. Diese war jedoch ausschliesslich für kirchliche Anlässe vorgesehen. Sie existierte bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach den Statuten im Pfarrarchiv bestand sie aus sechzehn Mitgliedern; acht Sänger, acht Musiker. Gespielt wurde mit vier Klarinetten, zwei Waldhörner, ein Fagott und einer Trompete. Recherchen haben ergeben, dass eine erste Blech-Musik in Lunkhofen vor 123 Jahren erwähnt wurde. In der Schulchronik vom Jahre 1879 gibt es einen Vermerk, dass die Schulkinder zusammen mit dieser Musik eine musikalisch- theatralische Unterhaltung gaben. Am Schluss dieser Notiz heisst es, diese Aufführung habe allgemein befriedigt, aber die Kasse sei nicht zufrieden gewesen. Weitere Angaben oder gar Statuten über diese Formation sind unauffindbar.
Eines weiss man sicher, dass es anfangs letztes Jahrhundert in Oberlunkhofen keine Blechmusik gab. Diese musste erst neu gegründet werden. Schon Ende der 20-iger Jahre redete man davon. Aber erst in den 30-iger Jahren galt es ernst.
Am 18. September 1932 sind eine begrenzte Anzahl Leute von Oberlunkhofen und Rottenschwil zusammengekommen und beschlossen einen Musikverein zu gründen, eben den Musikverein Lunkhofen. Der Initiant war Bernhard Küttel. Niemand ausser dieses Gründermitgliedes hatten musikalische Vorkenntnisse. Folgende Gründungsmitglieder sind in den ersten Eintragungen der Vereinsgeschichte aufgeführt: Bernhard Küttel, Bernhard Hagenbuch, Traugott Fröhli, Eduard Huber, Xaver Eichholzer, Bernhard Bächer, Hans Eichholzer, Josef Beschi, Josef Küng, Josef Stutz sen. und Xaver Füglistaller. 
Bernhard Küttel übernahm die Leitung dieses jungen Vereins. Er war der erste Präsident und zugleich Dirigent. Von der Firma Seeholzer in Affoltern konnten sie die alten Instrumente zu Fr. 2.20 / Monat mieten. Die Miete und das Notenmaterial mussten die Mitglieder aus dem eigenen Sack bezahlen. Das Kursgeld betrug Fr. 5.-. Der Passivmitgliederbeitrag wurde auf Fr. 3.- festgelegt, und konnte in 2 Raten bezahlt werden. Am Anfang getrauten sich die Vereinsmitglieder nicht im Dorf zu proben, weshalb sie im Wald ihre ersten Proben abhielten! Anlässlich der ersten Vorstandsitzung wurde beschlossen, diejenigen Mitglieder mit Fr. 5.- zu bestrafen, welche nach 2200 Uhr mit musizieren die Nachtruhe störten. Das verstorbene Mitglied Bernhard Hagenbuch wusste zu berichten, dass er als 17-jähriger Bursche der Jüngste gewesen sei, und sie ihn deswegen nicht an die Feste mitnahmen. Da er noch zu jung war, schickten sie ihn nach Hause.
Anno 1933 führten sie auf Initiative von Bernhard Küttel eine Sammlung durch, damit sie achtzehn neue Instrumente kaufen konnten. Die Bevölkerung hatte noch keine grosse Hoffnung, dass aus diesem Verein etwas werde. Darum brachten sie damals auch nicht genügend Geld zusammen. Sie mussten noch ein paar hundert Franken Schulden machen. Deshalb hatten sie auch während den darauffolgenden Jahren grössere finanzielle Schwierigkeiten.
Im Jahre 1933 spielte die neue Musik erstmals an einem Weissen Sonntag, an Prozessionen und zum ersten Mal an der August-Feier. Nicht alle Mitglieder hatten Ausdauer und Geduld. Ein paar traten aus, neue kamen hinzu. Eine Zeit lang glich der Verein einem Taubenschlag. Als sie 1934 miteinander acht neue Mitglieder bekamen, fing es an zu bessern. Sie hatten auch häufigen Dirigentenwechsel. Man kann schon verstehen, dass es für einen Dirigenten wohl kein "Schleck" war, mit diesen Anfängern zu kutschieren. Die Entlöhnung war auch nicht gross bei den mageren Finanzen. Dem ersten Dirigenten konnten sie überhaupt kein Geld geben. Dafür mussten sie mit Kartoffeln zufrieden sein, welche die Mitglieder im Herbst lieferten.
Als Bernhard Küttel 1934 wegzog, übernahm Herr Edwin Giger aus Affoltern die Leitung. Ein Jahr später Hermann Alter von Bremgarten. Der Probenbesuch war durchwegs schlecht. Es waren eben die Jahre, wo es an der Anzahl Mitgliedern schlecht bestellt war.
1936 hatte der Musikverein Glück, dass sie in der Person von Herr Lorenz Monn von Mettmenstetten einen tüchtigen Dirigenten fanden. Er brachte die junge Musik vorwärts, sodass sie bereits im selben Jahr erstmals an einem Kreisspieltag in Mettmenstetten auftreten konnten. Mit dem Erfolg wuchs auch die Sympathie bei der Bevölkerung. Die Leute unterstützten den Verein finanziell besser. Die Gemeinde und Kirchgemeinde gaben jährlich finanzielle Unterstützung. Mit dem Zustupf der Passiv- und Ehrenmitgliedern konnten sie den Dirigenten auch besolden. Nach einer grösseren Sammlung in den Jahren 1938/39 schafften sie sich 1939 zum Preise von Fr. 2'500,- die erste Uniform, einen dunklen Einreiher mit Stehkragen, der Militäruniform abgeguckt, mit einer Mütze in derselben Farbe mit gelacktem, schwarzen Schild, bei der Firma Rey+Christen, Tailleurs in Biel an.
Als der zweite Weltkrieg ausbrach, musste der Verein, wie andere Vereine auch, seine Tätigkeit für längere Zeit einstellen. 
Von 1942 bis 1946 dirigierte Herr Robert Wetli von Oberwil den Verein. Es waren die Kriegsjahre, in denen der Verein nicht viel unternehmen konnte. Der Eintritt für das Jahreskonzert mit Theater vom Neujahr und Wochenende danach im Gasthof Hecht-Saal Rottenschwil und Oberlunkhofen kostete für die Besucher Fr. 1.80. Als Herr Wetli nach fünf Jahren sein Amt aufgab, sprang Herr Monn in verdankenswerter Weise in die Lücke, bis der Musikverein 1949 einen ganz jungen Dirigenten fand, Herr Hans Rietiker von Neftenbach.
Mit ihm errang der Verein 1951 einen Silber-Lorbeer am Kant. Musikfest in Bremgarten. Noch im gleichen Jahr schaffte sich die Musik das heutige schöne Vereinsbanner für Fr. 1800.- an. Lieferant war die Firma Fraefel St. Gallen. Am Sonntag, 22. Juli 1951 wurde die Fahne anlässlich eines grossen und beeindruckenden Dorffestes eingeweiht. Nachdem am Vorabend ein grosser Unterhaltungsabend mit Produktionen der Ortsvereine, dem Turnverein Arni und gem. Programm Darbietungen mit "komischen Einlagen" über die Bühne gingen, wurde die Bevölkerung des Kelleramtes am Sonntagmorgen um 0500 Uhr mit Böllerschüssen auf das festliche Ereignis aufmerksam gemacht. In der Pfarrkirche Lunkhofen wurde das schöne Banner in einer eindrucksvollen Feier geweiht. Die Musikgesellschaften und Vereine Zufikon, Jonen, Waltenschwil und Ottenbach umrahmten mit ihrem Spiel den Anlass im Festzelt, welches zwischen der Zugerstrasse und dem Schulhaus lag. Zum Ausklang gab es eine eindrucksvolle Abendunterhaltung unter der Mitwirkung der Tanz-Stimmungs- und Unterhaltungskappelle "Schönberg" Tirol, welche mit Ehrendamen am Festanlass vertreten waren.
1956 übergab der erste Fähnrich Beat Hagenbuch sein Amt Josef Eichholzer-Elsener, welchem diese Funktion sehr am Herzen lag. Seit 1975 ist Sepp Eichholzer-Heinzer stolzer Fähnrich des Vereins.
1952 unternahm die Musik als Gegenbesuch seine erste Vereinsreise nach Schönberg im Tirol. Fr. 600.- wurden dazu von der Vereinskasse bezahlt. 1953 wurden die musikalischen Anstrengungen mit einem Gold-Lorbeer am Kantonalen Musikfest in Zofingen belohnt.
Anfangs 1956 übernahm Herr Alfred Glarner von Bremgarten das Korps. Alfred Glarner hat nicht nur dirigiert, er komponierte auch unter dem Namen "Fridolin". Er hatte mit der Lunkhofer Musik Erfolg. Die Mitgliederzahl betrug dazumal zwanzig Bläser. 1957 brachten sie vom Eidg. Musikfest in Zürich einen Goldlorbeer nach Hause. 1959, am 11./12. Juli erhielt der Verein seine zweite, diesmal eine historische Uniform in der Farbe grün, einen Zweihreiher mit Stehkragen, geliefert von der "Schweizerischen Uniformenfabrik AG in Zürich. Im selben Jahr wurde das Mitglied, der Freund und Förderer des Vereins, Bernhard Hagenbuch für seine grossen Verdienste u.a. als Präsident während 20 Jahren als Ehrenpräsident geehrt.
Im Jahre1963 liess sich der Verein am Kantonalen Musikfest in Windisch jurieren, wobei der grosse Erfolg ausblieb.
1965 übernahm Herr Werner Koch von Muri die musikalische Leitung. Er hielt es bis zum heutigen Tag während 14 Jahren als Dirigent am Längsten aus. In dieser Zeit ist einiges im Verein gelaufen. Die Mitgliederzahl stieg von 30 bis teilweise über 50 an. Mit ihm nahm der Verein mit Erfolg an drei Eidgenössischen Musikfesten teil. 1966 in Aarau, 1971 in Luzern und 1976 in Biel. 1968 bekamen das Korps neue silberne Instrumente.
1975 feierte das Korps mit der Bevölkerung während drei Tagen die dritte Uniform, diesmal mit dunkelblauer Hose, rotem Weston und Hut mit einem Federbusch, geschneidert von der Fa. Schuler Uniformen und Modehaus in Rothenthurm.
1977 wagte sich das Korps zu Aufnahmen im Radio- Studio Zürich.
Von 1979 bis zum heutigen Tag stand der Verein unter der folgenden Stabsführung: 1979-1983 Alois Brandenberg Rudolfstetten, 1983-1989 Orlando De Martin, Würenlos, 1989-1993 Urs Dellsperger Bremgarten, 1993-1997 Marcel Kleiner Turgi, 1997-2003 Urban Christen Oberlunkhofen, und ab 2003 Sigi Donner, Zürich
Von den zwölf bis heute verdienten Präsidenten soll Leo Hagenbuch Oberlunkhofen, Präsident von 1968-1980 und Wirtechef während zwanzig Jahren für seine grossen Verdienste speziell erwähnt werden. Ihm hat der Verein vieles zu verdanken.
1982, anlässlich des 50. Vereinsjubiläum, wurde die eigens dazu geschriebene Komposition "Kleine Festmusik" vom Professor Paul Huber, Bürger von Unterlunkhofen, uraufgeführt.
1989 gründete die heutige Vizedirektion Markus Eichholzer eine Kleinformation des Korps, eine Buremusik, welcher achtzehn Mitglieder angehörten.
Bis zur Schliessung des historischen Gasthof Rössli in Oberlunkhofen im Jahre 1992, war die Gaststätte zugleich Vereinslokal und Fahnendepot des Musikverein Lunkhofen. Ab September 1993 fand das Banner im Restaurant Central ein neues Zuhause.
1996 nahm der Verein letztmals am Eidg. Musikfest in Interlaken teil.
Grosse Freude bereitete den Musikern der erste Auftritt am Jahreskonzert 1998. Erstmals durfte der Verein in der neuen Turnhalle im vollbesetzten Haus ihr Jahreskonzert präsentieren.
Im September 2001 bedankte sich der Verein bei der Bevölkerung anlässlich eines Musik-Event INTRO2002 für die grosse Unterstützung im Vorfeld des grossen musikalischen Ereignisses vom 1. Aarg. Kant. Musiktag im Sommer 2002. Gleichzeitig wurde in einem würdigen Rahmen mit befreundeten Vereinen und Delegationen der 50. Geburtstag der Vereinsfahne gefeiert.
Dank dem erneut grossen Wohlwollen der Bevölkerung des Kelleramtes war es für den 45 Mitglieder zählenden Verein möglich, mit  den grosszügigen Spenden anlässlich des 1. Kant. Musiktages in Oberlunkhofen vom 31. Mai, 1. und 2. Juni 2002 ihre 4. Uniform zu präsentieren. Gleichzeitig wurde dieser Anlass mit der 70- Jahrfeier des Vereins verbunden.  Bei schönstem Wetter  und idealsten Voraussetzungen wetteiferten 34 Vereine um ihre Punktzahlen. Während 3 Tagen stand das ganze Dorf und ihre Vereine im Festfieber. Oberlunkhofen mit seinem Musikverein Lunkhofen erlebte dabei den grössten  Anlass, den es in der Dorf- und Vereinsgeschichte jemals gab.
Kaum 5 Jahre später erlebte Oberlunkhofen mit seinen Kellerämtergemeinden am 23./24. Juni 2007 erneut ein erinnerungswürdiges Musikfest, um sein 75. Vereinsjubiläum, verbunden mit der Totalrestauration  der 1. Fahne, zu feiern. Gastverein war dabei die 50-köpfige Musikkapelle Schönberg im Tirol/ Stubaital, welche erstmals anlässlich der Fahnenweihe als  Blaskapelle in Kleinformation bei der Fahnenweihe 1951 in Lunkhofen zu Gast war. In einer gemeinsamen musikalisch-theatralischen Revue-Show vom Samstagabend wurde in 6 Bildern eine 75-jährige Vereinsgeschichte präsentiert, welche einmalig von den Festbesuchern aufgenommen wurde. Am Sonntagmorgen feierte der Verein sein Jubiläum mit einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche, um anschliessend in einem farbenfrohen Festumzug auf das Festgelände des Schulhausareal zu ziehen. In einem Festakt während des Jubiläums-Mittagessens wurde erstmals die total restaurierte Vereinsfahne präsentiert. 


Verfasser dieser Vereinschronik : Sepp Eichholzer-Heinzer, Fähnrich